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Besessenheit/Stimmen

     
19.10.2007 12:23

Besessenheit aus kirchlicher Sicht

(RIENECKER 1964, Sp. 211):


I.) Nach der Heiligen Schrift verstehen wir unter Besessenheit das Innewohnen eines Dämonen in einem Menschen, dessen ganzes Denken, Fühlen und Wollen unter dämonischen Einfluss gebracht wird (Lk. 22, 3-6).

Die Dämonen sind frühere Engel, die mitsamt ihrem Herrn, dem Satan, von Gott abgefallen sind und auf die Erde geworfen wurden (Lk. 10, 18; Offb. 12, 8) bzw. im Abgrund gefesselt auf den Tag des Gerichts warten (Jud. 6).

Soweit sie noch das Recht haben, auf der Erde zu sein, ist es ihr Bestreben, eine Menschenwohnung zu bekommen, die ihnen Ruhe verschafft und in der sie bleiben können (Mt. 12, 43-44), um nicht vor der Zeit in die Hölle fahren zu müssen (Mt. 8, 29; Lk 8, 28-31).

Die Dämonen nehmen vom Menschen Besitz meist in der Einzahl, aber auch in der Mehrzahl (Mt. 12, 43; Lk 8, 2) oder in der Vielzahl (Lk. 8, 30).

Der Zweck der Besitzergreifung des Menschen durch einen Dämon ist es, die Gemeinschaft des Besessenen mit Gott zu verhindern und ihn zum Bösen zu veranlassen (daher werden die Dämonen oft 'böse' Geister genannt) oder ihn zum Unglauben zu verführen (daher 'verführerische' Geister genannt; 1. Tim. 4, 1) oder ihn zu unwahren Reden zu verleiten (daher 'falsche' Geister genannt; 1. Kön. 22, 22) oder sein Seelenleben zu verunreinigen (daher 'unsaubere' Geister genannt; Mt. 10, 1; 12, 43; Mk. 1, 23; Apg. 8, 7 u.a.).

Sie suchen den Menschen stets zu quälen, indem sie ihm eine Krankheit beibringen können (Geisteskrankheit Mk. 5, 1 ff, Anfallskrankheit Mk. 9, 18 ff; Rückgratverkrümmung Luk. 13, 11) oder indem sie durch Stummheit (Mt. 9, 32; Mk 9, 17), Taubstummheit (Mk. 9, 25), Blindheit und Stummheit (Mt. 12, 22) es verhindern, dass der Besessene sein Verlangen nach Christus kundtun kann und für Gottes Wirken aufnahmefähig wird.

Bei all diesen Quälereien sind die einen Dämonen bösartiger als die anderen (Mt. 12, 45). Das Endziel der Dämonen ist es in jedem Fall, den Menschen umzubringen, um ihn ihrem Herrn auszuliefern (Mk. 9, 22).


II.) Kennzeichen für das Vorliegen einer Besessenheit ist: das Sprechen eines anderen aus dem Besessenen (Mt. 8, 29; Mk 1, 24; Luk. 4, 34; Apg. 19, 15 u.a.); Hellsichtigkeit, wobei die Dämonen Jesus als den Sohn Gottes erkennen, der gekommen ist, sie zu verderben (Mk. 1, 24; 1, 34 u.a.), und in bestimmten Menschen Knechte Jesu erblicken (Apg. 16,17); Wahrsagen (Apg. 16, 16); ein zeitweiliges unruhiges Verhalten des Menschen [Schreien, Zähneknirschen, Toben (Mk. 5, 5; 9, 18)]; eine auffallend starke Körperkraft (Mk. 5, 4; Apg. 19, 16); heftiges Widerstreben gegen alle göttlichen Einflüsse (Mk. 1, 24; 5, 7; Lk. 4, 34 u.a.); das mit Schreien, Zu-Boden-Fallen, Auftreten von Krämpfen verbundene Ausfahren des Dämons (Mk, 1, 26; 9, 26; Lk. 4, 35-41; Apg. 8, 7); die völlige Genesung des Besessenen nach erfolgter Austreibung (Mk. 5, 15; 9, 27).

Die aus ihrer menschlichen Behausung ausgetriebenen Dämonen suchen, wenn irgend möglich, von demselben Menschen wieder Besitz zu ergreifen (Mt. 12, 44-45; Mk. 9, 25)."

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