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christleen
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Poems

Der letzte Gang

Und ob ich schon wandelte im finsteren Tal,
ich sah der Menschen große Qual.
Die Todgeweihten grüßten feierlich,
ihr blankes Gebein wies auf mich.

Der dunklen Raben süßer Gesang,
welch vortrefflicher, güldener Klang.
Zu dieser Stunde zog auch Luna ihre Runde,
vom Mondenschein geblendet,
war so manche Kreatur verendet.

Dunkles Licht durchströmt mein Herz,
jeder Odem Pein und Schmerz,
verfluchte ich jenen Ort,
und wollte schleunigst fort.

Doch gibt es kein Entkommen,
die Lebenszeit ist längst verronnen,
bleibt nur die Gruft, der Sarg,
Mich trifft es ach so arg!

Der letzte Gang ist angetreten,
mir hilft jetzt auch kein Beten.
Gott war eine Illusion,
die kalte Erde wartet schon.

 - by Nostromo.uboot.com - 

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Des Henkers Wille

Meine Faust will in dein Gesicht,
auf das es dir zerbricht.
Will dich quälen,
am nächsten Baume pfählen.

In siedend Öl soll man dich tauchen,
in heißem Feuer elend rauchen.
Messer sollen dich durchdringen,
dein Leib mit dem Tode ringen.

Die Peitsche finde in dir ihr Element,
auf das der Schmerz nur in dir brennt.
In Wasser soll dein Schädel tauchen,
bis du nicht mehr zu gebrauchen.

Dornen mögen dich durchbohren,
in meinem Willen seist du verloren.
Tränend Blut sollst du schwitzen,
will dich mit der Lanze ritzen.

Mir ausgeliefert über Stunden,
seist du bald vom Leben entbunden.
Das Fegefeuer ist keine Qual,
kennt man erst mein Fanal.

Selbst Satan kann ich lehren,
noch derber zu verkehren.
Stand noch Geschlecht sind mir egal,
mir zu begegnen ist fatal.

Die Folter ist meine Welt,
die mir herzhaft gut gefällt.
Das Geschrei ist mir Musik,
jeder Tag ein neuer Krieg.

Mit glühend Eisen,
will ich dir neue Wege weisen.
Dein letzter Blick soll mich erhaschen,
will von deiner Pein zu gerne naschen.

Meine Berufung ist zum Beruf mir geworden,
kann nach alter Sitte Morden.
Befriedigt und wohl entlohnt,
hat sich mein Henkersleben sehr gelohnt ...

- by Nostromo.uboot.com -

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Menschen bei Nacht


Die Nächte sind nicht für die Menge gemacht.
Von deinem Nachbar trennt dich die Nacht,
und du sollst ihn nicht suchen trotzdem.
Und machst du nachts deine Stube licht,
um Menschen zu schauen ins Angesicht,
so musst du bedenken: wem.
 
Die Menschen sind furchtbar vom Licht entstellt,
das von ihren Gesichtern träuft,
und haben sie nachts sich zusammengesellt,
so schaust du eine wankende Welt
durcheinandergehäuft.
Auf ihren Stirnen hat gelber Schein
alle Gedanken verdrängt,
in ihren Blicken flackert der Wein,
an ihren Händen hängt
die schwere Gebärde, mit der sie sich
bei ihren Gesprächen verstehn;
und dabei sagen sie: Ich und Ich
und meinen: Irgendwen.

Rainer Maria Rilke

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Schlußstück


Der Tod ist groß
Wir sind die Seinen,
Lachenden Munds.
Wenn wir uns mitten im Leben meinen
Wagt er zu weinen
Mitten in uns.

 
Rainer Maria Rilke

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